Moin zusammen! Heute haben wir mal ein kleines Experiment gewagt – und ehrlich gesagt wussten wir vorher selbst nicht, ob das Ganze am Ende läuft oder ob wir das Auto in Einzelteilen zurücklassen. Die Idee: Wir verpassen einer betagten Mercedes B-Klasse von 2010 ein modernes Android-Multimedia-System mit CarPlay und Android Auto. Kein Tutorial, kein „so geht’s bei jedem Auto“, sondern ein echter Selbstversuch. Wir hatten so etwas nämlich noch nie gemacht. Genau deshalb nehmen wir euch mit – inklusive aller Stolpersteine.
Wie schwer ist es, ein Android-Autoradio nachzurüsten?
Der reine Einbau ist machbar, aber unterschätzt ihn nicht. Bei weit verbreiteten Modellen wie einem VW Golf gibt es passende Komplettsets und gute Anleitungen, da läuft das fast wie geplant. Bei selteneren Fahrzeugen wie unserer B-Klasse wird es kniffliger: Ihr braucht die richtige Radioblende, den passenden Adapterkabelbaum und im Zweifel einen fahrzeugspezifischen CAN-Bus-Decoder. Mechanisch geht es teils nur mit ordentlich Kraft, und nicht jedes „passende“ Teil passt am Ende wirklich auf den Millimeter. Plant also Zeit, Werkzeug und ein bisschen Frustrationstoleranz ein.

Was steckt eigentlich in so einem China-Navi?
Das Gerät, das wir verbaut haben, stammt von Camecho – einem chinesischen Hersteller, von dem es solche Einheiten in zig Varianten gibt. Genau genommen ist „Navi“ der falsche Begriff, es ist eher ein Multimedia-Infotainment-System. Die Unterschiede zwischen den Modellen liegen vor allem in der Ausstattung und Leistung. Unser Exemplar bringt 4 GB RAM, 64 GB internen Speicher und eine Snapdragon-CPU mit. Für Android ist das nicht üppig, sollte im Alltag aber reichen.

Spannend ist die Rückseite: Dort sitzen sehr spezifische PIN-Anschlüsse, dazu getrennte Buchsen für GPS- und Radioantenne sowie der Hauptstecker für die Stromversorgung. Im Lieferumfang lagen jede Menge Adapterkabel, Kabelbäume, USB-Anschlüsse, eine günstige Rückfahrkamera und ein externes Mikrofon. Kleiner Haken bei uns: Das Set war eigentlich für einen Smart vorbereitet. Die passende Blende für die 2010er B-Klasse mussten wir daher separat besorgen.
Die wichtigsten technischen Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Hersteller | Camecho (China) |
| Betriebssystem | Android |
| Arbeitsspeicher | 4 GB RAM |
| Speicher | 64 GB |
| Prozessor | Qualcomm Snapdragon (Octa-Core) |
| CarPlay / Android Auto | ja, auch kabellos |
| Antennen | GPS und Radio (separat anzuschließen) |
| Erweiterbar | DAB+, LTE, Rückfahrkamera, externes Mikrofon |
Der Ausbau: Hier braucht ihr Geduld (und Muskeln)
Das alte Radio rauszubekommen, war deutlich anstrengender als gedacht. Ein Auto lässt sich eben nicht so elegant zerlegen wie ein iPhone. Erst musste das Verbindungskabel des Warnblinkers raus, dann zwei Schrauben von unten – und dann hieß es: ziehen, hebeln, fluchen. Die alte deutsche Bauweise sitzt bombenfest, an der ein oder anderen Stelle mussten wir regelrecht Gewalt anwenden. Nach gefühlt hundert Jahren und einem kurzen Umparkmanöver war das gute Stück endlich draußen.

Erster Start: Läuft es überhaupt?
Jetzt der Moment der Wahrheit. Adapter aufgesteckt, Zündung an – und tatsächlich kam das System hoch, fast schneller, als uns lieb war. Auf dem Display tauchten CarPlay und Android Auto auf, der Ton funktionierte auf Anhieb. Was direkt nicht ging: die Tasten am Lenkrad. Aber für einen ersten Versuch ohne jegliche Erfahrung war das ein überraschend gutes Zeichen.

Das Passform-Problem und der Griff zum Dremel
Ganz so glatt lief es dann doch nicht. Beim Einsetzen wollte die Einheit den letzten Zentimeter partout nicht reinrutschen – schuld waren zwei kleine Nasen im Schacht. So viel zum Thema Passgenauigkeit. Wir sind deshalb erst mal wochenlang halb eingebaut herumgefahren. Irgendwann haben wir uns einen günstigen Dremel besorgt und die beiden Nasen kurzerhand auf einem Parkplatz weggesägt – mit Strom aus der Powerstation. Hat besser geklappt als befürchtet, und danach saß alles sauber und verschraubt.

Der echte Knackpunkt: der CAN-Bus-Decoder
Das nervigste Thema ist der CAN-Bus-Decoder. Er übersetzt die Fahrzeugsignale – etwa Lenkradtasten, Zündung oder Beleuchtung – für das neue System. Und genau hier hakte es: Die Lenkradtasten wurden nicht sauber erkannt, trotz zweistündiger Suche durch sämtliche Software-Menüs. Das Problem ist die miserable Dokumentation. Bei einem Golf 6 ist das kein Thema, dafür gibt es alles fertig. Für eine B-Klasse kursieren mehrere Decoder-Varianten im Netz, aber kaum jemand sagt klar, welche für welches Auto die richtige ist. Hier müssen wir wohl noch nachlegen und testen.
Klang und Mikrofon: die ernüchternden Seiten
So sehr das Display nach Fortschritt aussieht – beim Klang gibt es einen Dämpfer. Der integrierte Verstärker solcher Einheiten ist schlicht schwach. Mit allerlei Software-„Soundenhancements“ wird zwar nachgeholfen, doch unterm Strich klang es bei uns sogar schlechter als das alte Mercedes-Werksradio. Man muss viel Zeit investieren, um die Einstellungen halbwegs in den Griff zu bekommen. Der Lichtblick: Über die mitgelieferten Adapter könnt ihr eine externe Endstufe samt Subwoofer anschließen und so deutlich mehr herausholen.
Beim Mikrofon ähnliches Bild. Eines ist zwar eingebaut, was bei älteren Geräten nicht selbstverständlich ist – nur taugt es kaum etwas. Während der Fahrt versteht ihr euer Gegenüber gut, ihr selbst werdet aber praktisch nicht verstanden, selbst wenn ihr brüllt. Das beigelegte externe Mikrofon lief bei uns mit dem Adapter nicht auf Anhieb, woran es lag, konnten wir bislang nicht klären.
Android, CarPlay & Co: Worauf es wirklich ankommt
Ein wichtiger Punkt zum Schluss: Das eigentliche Android-System ist ohne dauerhafte Internetverbindung – also ohne SIM-Variante mit eingelegter Karte – ziemlich nutzlos. Ohne Netz keine Karten, und ohne angeschlossene GPS-Antenne keine Ortung. Heißt: Welches Betriebssystem da läuft, ist fast egal. Worauf es wirklich ankommt, ist, dass Android Auto und CarPlay funktionieren – denn das ist der echte Mehrwert. Ihr müsst euch keine Gedanken über Karten-Updates machen und nutzt das System wie in jedem moderneren Auto. Und das lief bei uns sogar kabellos ordentlich.

Was kostet der Spaß?
Im Idealfall kauft ihr die Einheit direkt als fahrzeugspezifisches Set mit passendem Kabelbaum und Blende. Bei Amazon gibt es solche Komplettpakete inklusive Adapter ab rund 80 Euro. Wer die Einzelteile auf dem asiatischen Markt zusammensucht, kommt teils deutlich günstiger weg – unser Zusatzkram lag bei etwa 18 Euro und damit unter der Zollgrenze. Schaut aber genau, dass Blende und Adapter wirklich zu eurem Modell passen.
Fazit: Mission geglückt, aber mit Sternchen
Unterm Strich hat es funktioniert: Der Innenraum sieht eine ganze Ecke moderner aus, und kabelloses CarPlay läuft. Gleichzeitig braucht ihr Geduld beim Ausbau, im Zweifel einen Dremel für die Passform und starke Nerven beim CAN-Bus-Thema. Klang und Mikrofon bleiben die größten Schwächen. Für ein altes Auto, das ohnehin nicht viel bewegt wird, ist so ein Upgrade trotzdem ein cooler Versuchsballon – wenn ihr wisst, worauf ihr euch einlasst.
Und jetzt seid ihr dran: Würdet ihr eurem alten Auto so ein Upgrade verpassen, oder ist euch der Aufwand zu groß? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!
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