Anker hat mit der Liberty 5 Pro Serie neue In-Ear-Kopfhörer vorgestellt, und wir hatten sie bereits im Ohr. Vorweg: Beim Klang haben uns die Liberty 5 Pro ehrlich überrascht. Für 179,99 Euro klingt hier deutlich mehr, als wir erwartet hätten. Aber es gibt auch Stellen, an denen Anker hätte nachbessern können.
Im Zentrum steht der neue ANKER Thus™ Chip, ein sogenannter Compute-in-Memory-Audiochip. Klingt erstmal nach Marketing-Buzzword, dahinter steckt aber ein technisch interessanter Ansatz. Was das im Alltag bringt und wo wir trotzdem Fragezeichen sehen, klären wir in diesem Hands-on.
Was steckt hinter dem ANKER Thus™ KI-Chip?
Herkömmliche Audio-Chips arbeiten nach dem klassischen Von-Neumann-Prinzip: Speicher und Recheneinheit sind getrennt, Daten werden ständig hin- und hergeschoben. Bei einem winzigen Earbud mit begrenztem Akku sorgt das für Verzögerungen und unnötigen Stromverbrauch. Der Thus™ Chip vereint Speicher und Verarbeitung an einem Ort, nämlich direkt im NOR-Flash-Speicher. Anker spricht von einer 150-fachen KI-Rechenleistung gegenüber dem Vorgänger-Chip, wobei sich solche Herstellerangaben natürlich schwer überprüfen lassen.
Was wir aber merken: Die Kopfhörer reagieren zügig auf Umgebungsveränderungen, ohne ständig auf das Smartphone angewiesen zu sein. Sprachbefehle, ANC-Anpassung und Audioverbesserung laufen direkt auf dem Chip, komplett offline.
Kann das ANC 4.0 mit teureren Modellen mithalten?
Kurze Antwort: Ja, erstaunlich gut sogar. Das ANC-System arbeitet mit 10 Sensoren, genauer gesagt 8 MEMS-Mikrofone plus 2 Knochenschall-VPUs. Die Earbuds erfassen damit nicht nur Umgebungsgeräusche, sondern erkennen eure Stimme auch über die Knochenleitung.

Erkennen, einordnen, anpassen
Der Adaptive ANC Modus läuft mit KI und klassifiziert die akustische Situation automatisch, egal ob Bar, Büro, Wind oder Flüstern im Hintergrund. Darauf basierend passt das System ANC-Tiefe, Stimmisolation und Transparenz eigenständig an. Natürlich könnt ihr aber auch manuell die Stärke bzw. den Modus manuell wählen.
Zur Qualität, gerade bei mittleren und hohen Frequenzen fällt auf, wie sauber die Liberty 5 Pro filtern. Stimmengewirr, Tastaturklappern, typische Bürogeräusche: All das wird merklich besser herausgefiltert als beim Vorgänger. Anker verspricht gegenüber dem Liberty 4 Pro eine doppelt so starke Unterdrückung in diesen Bereichen, und im Großraumbüro sowie im Zug hat sich das bei uns auch so angefühlt. Wir würden das ANC auf einem Niveau mit den AirPods Pro 3 oder den Galaxy Buds4 Pro einordnen, die allesamt deutlich mehr kosten.
Der Klang: Hier liegt die eigentliche Stärke
Wenn wir einen Punkt hervorheben müssten, dann diesen. Der Sound der Liberty 5 Pro hat uns am meisten überzeugt. Die 9,2-mm-Membrantreiber mit bassverstärkenden Röhren liefern ein ausgewogenes, detailreiches Klangbild, das in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist. Der Klang kann auch hier mit Top-Kopfhörern mithalten und klingen in unseren Ohren auch besser als die Konkurrenz von JBL.
Dazu kommt HearID 5.0: Über die soundcore App durchlauft ihr einen Hörtest, aus dem ein individuelles EQ-Profil entsteht. Parallel versucht die KI, komprimierungsbedingte Verluste in Echtzeit auszugleichen, also eine Art Upscaling für Audio. Ehrlich gesagt: Solche Features klingen auf dem Papier immer besser, als sie in der Praxis auffallen. Einen riesigen Unterschied konnten wir hier nicht heraushören. Auf der Haben-Seite stehen außerdem LDAC, Hi-Res Audio und Dolby Atmos mit Headtracking. Wichtig dabei: Diese Codecs und Standards bringen nur dann etwas, wenn euer Smartphone sie auch unterstützt. Vorher also kurz prüfen, ob euer iPhone oder Android-Gerät LDAC überhaupt kann. Für die allermeisten von euch wird aber ohnehin gelten: Der normale Bluetooth-Stream klingt über die Liberty 5 Pro bereits richtig gut. Wer wirklich audiophile Ansprüche hat, greift sowieso zum Kabel.
Wie alltagstauglich ist die Offline-Sprachsteuerung?
Über 20 Sprachbefehle verarbeiten die Liberty 5 Pro direkt auf dem Gerät, ganz ohne Internetverbindung. Lautstärke regeln, Tracks wechseln, ANC aktivieren oder Anrufe annehmen geht per Zuruf. Weil die Erkennung lokal läuft, reagiert das System spürbar schneller als cloudbasierte Lösungen. Kein Aktivierungswort nötig, auch der Flüsterton wird erkannt. Im Alltag funktioniert das überraschend zuverlässig, auch wenn man sich erstmal an die verfügbaren Befehle gewöhnen muss.
Ansonsten könnt ihr natürlich auch ganz klassisch steuern, die Kopfhörer selbst haben Touchsteuerung, Play/Pause,… alles klein Thema. Auch die Lautstärke kann dank Wischtouch durch ein Streichen über die Kopfhörer verändert werden – sehr gut!
Ladecase mit Display: Nettes Extra mit Schwachstelle
Das Case hat einen kleinen Touchscreen für Akkustand, Bluetooth-Status und Schnelleinstellungen. ANC-Modi wechseln, Easy Chat aktivieren oder Soundprofile anpassen geht direkt am Case, ohne die App öffnen zu müssen. Praktisch, aber nicht so umfangreich wie beim teureren Liberty 5 Pro Max mit dem großen 1,78-Zoll-AMOLED-Bildschirm.

Vor- und Zurückspulen könnt ihr hier übrigens nicht, auch die Lautstärke lässt sich am Case nicht steuern. Beides geht dafür aber an den Kopfhörern selbst.
Was uns weniger gefällt: Der Verschluss des Cases wirkt etwas filigran. Bei einem Produkt, das täglich dutzende Male auf- und zugeschoben wird, hätten wir uns eine robustere Mechanik gewünscht. Ob der Deckel auf Dauer hält, können wir nach der kurzen Testzeit noch nicht sagen. Ein mulmiges Gefühl bleibt aber.

Gut zu wissen: Gleiche Kopfhörer, anderes Case
Ein Detail, das bei der Kaufentscheidung wichtig ist: Die Earbuds der Liberty 5 Pro und Liberty 5 Pro Max sind identisch. Gleicher Sound, gleiches ANC, gleiche Treiber. Der Unterschied liegt ausschließlich im Case. Die Max-Version bringt ein größeres AMOLED-Display, KI-Sprachrekorder und Echtzeit-Übersetzung mit. Wer darauf verzichten kann, spart 70 Euro und bekommt klanglich exakt dasselbe.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Soundcore Liberty 5 Pro |
|---|---|
| Preis | 179,99 € |
| Chip | ANKER Thus™ (CIM) |
| ANC | Adaptiv 4.0, 8 Mikrofone |
| Akku (Earbuds) | 12h normal / 6,5h mit ANC |
| Akku (gesamt mit Case) | 50h normal / 28h mit ANC |
| Schnellladen | 5 Min. = 4h Wiedergabe |
| Kabelloses Laden | Ja |
| Bluetooth | 6.1 |
| Codecs | LDAC, Hi-Res Audio |
| Spatial Audio | Dolby Atmos mit Headtracking |
| Schutzklasse | IP55 (Kopfhörer), IPX4 (Case) |
| Multipoint | Bis zu 3 Geräte |
| Farben | Mitternacht, Wolkenweiß, Titanblau, Titanrosa |

Fazit: Viel Kopfhörer für unter 180 Euro
Die soundcore Liberty 5 Pro machen beim Klang und ANC vieles richtig, und das auf einem Niveau, das in dieser Preisklasse wirklich nicht üblich ist. Zusammen mit der Offline-Sprachsteuerung, HearID 5.0 und dem Case-Display gibt es hier ein stimmiges Gesamtpaket.
Perfekt ist es trotzdem nicht: Die Form der Earbuds ist etwas gewöhnungsbedürftig. Bei uns sitzt sie nach kurzer Eingewöhnung zwar gut, das muss aber nicht bei jedem Ohr so sein. Und der filigrane Schiebemechanismus am Case bleibt ein Fragezeichen für die Langlebigkeit.
Trotzdem: Wer guten Sound und starkes ANC sucht und nicht zwingend die Zusatzfunktionen der Max-Version braucht, bekommt hier ein richtig gutes Angebot. Die Kopfhörer sind schließlich dieselben, nur das Case unterscheidet sich.
Habt ihr die Liberty 5 Pro schon auf dem Schirm, oder wartet ihr lieber auf erste Langzeittests? Schreibt es uns in die Kommentare!
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