Marshall kennt ihr von ikonischen Gitarren-Amps, von Bluetooth-Lautsprechern wie dem Middleton und von Kopfhörern im typischen Rockstar-Look. Eine Soundbar? Gab es bisher nicht. Genau das ändert sich jetzt – und der erste Versuch der Schweden ist gleich ein ziemlich großes Ding geworden. Wir haben die Marshall Heston 120 ausführlich getestet, sie zu Hause aufgebaut, mit Filmen, Musik und sogar einer direkten Konkurrentin gehört. In diesem Beitrag verraten wir euch, was die 1.000-Euro-Soundbar wirklich kann, wo sie glänzt, wo sie schwächelt – und ob ihr den passenden Subwoofer für nochmal 500 Euro wirklich braucht.
Eines vorweg: Soundbars waren bei uns bisher eher Randthema. Wir sind klassisch Team „lieber zwei ordentliche Stereo-Lautsprecher als ein halbgares 5.1-System“. Umso spannender war es, sich mal so ein All-in-One-Gerät genauer vorzunehmen. Und so viel sei verraten – die Heston 120 hat es geschafft, uns zumindest ins Grübeln zu bringen.
Was ist die beste Soundbar für 1000 Euro?
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, was ihr hört. Wenn euch vor allem Musik wichtig ist, spielt die Marshall Heston 120 in dieser Preisklasse ganz vorne mit – kaum eine andere All-in-One-Soundbar klingt so warm, breit und erwachsen. Geht es euch dagegen primär um wuchtigen Filmton mit Explosionen und tiefem Bass-Punch, gibt es für 1.000 Euro Soundbars, die druckvoller und deutlich lauter aufspielen. Die „beste“ Soundbar ist also keine feste Größe, sondern hängt von eurem Raum, eurem Quellmaterial und eurem Geschmack ab. Für Musikliebhaber, die nebenbei auch Filme schauen, ist die Heston 120 aber eine der spannendsten Optionen überhaupt.
Marshall Heston 120: Die technischen Daten im Überblick
Bevor wir in den Klang einsteigen, hier die wichtigsten Eckdaten kompakt aufgelistet:
| Merkmal | Marshall Heston 120 |
|---|---|
| Kanäle | 5.1.2 (Dolby Atmos, DTS:X) |
| Treiber | 11 aktive Treiber + 4 Passivradiatoren, je eigener Class-D-Verstärker |
| Leistung | 150 Watt (Peak) |
| Frequenzbereich | 40 Hz – 20.000 Hz |
| Max. Schalldruck | ca. 95 dB |
| HDMI | 2× (eARC/ARC + Pass-Through, 4K bis 120 Hz, Dolby Vision) |
| Weitere Anschlüsse | RCA-Stereo-Eingang, Sub-Out (Cinch), USB-C, Ethernet |
| Drahtlos | Wi-Fi 6, Bluetooth 5.3 (LE Audio/Auracast) |
| Streaming | AirPlay 2, Google Cast, Spotify Connect, TIDAL Connect, Internetradio |
| Sound-Modi | Movie, Music, Night, Voice |
| Bedienung | Marshall App + 3 Drehregler (keine Fernbedienung) |
| Maße | ca. 110 × 14,5 × 7,6 cm |
| Gewicht | ca. 7 kg |
| Preis (UVP) | 999 Euro |
Design und Verarbeitung: Rock ’n’ Roll fürs Wohnzimmer
Optisch ist die Heston 120 sofort als Marshall zu erkennen, und das meinen wir als Kompliment. Statt des üblichen schwarzen Rechtecks, das bei Soundbars eher Pflicht als Kür ist, bekommt ihr hier eine Stofffront mit Ledereinfassung an den Seiten, dazu das goldene Marshall-Logo und oben drei goldene Drehregler. Das wirkt nicht kitschig, sondern hochwertig und eigenständig. Die kleinere Heston 60 gibt es auch in einer cremefarbenen Variante – das große Modell kommt ausschließlich in Schwarz-Gold.

Besonders clever: Die Stoffabdeckung an der Front lässt sich abnehmen, sodass ihr direkten Zugriff auf die Lautsprecher habt. Geht mal etwas kaputt, lässt sich das Bauteil tauschen, statt das ganze Gerät zu entsorgen. Marshall bietet sogar offiziell Ersatzteile und Reparaturservices an – Fret, Endkappen, Treiber und Platinen lassen sich ersetzen. Diese Reparierbarkeit ist in der Soundbar-Welt eine echte Seltenheit und verdient ein dickes Lob. Wandhalterungen gibt es übrigens separat, fest aufs Sideboard gestellt macht die Bar aber genauso eine gute Figur.

Mit über einem Meter Breite braucht ihr allerdings einen ordentlich großen Fernseher und vor allem ein breites Möbelstück darunter. Wer nur einen schmalen TV-Tisch hat, sollte vorher Maß nehmen.
5.1.2 mit Dolby Atmos: Was steckt eigentlich in der Soundbar?
Die Heston 120 will keine simple Stereo-Anlage für den Fernseher sein, sondern echtes Raumklang-Kino. Dafür stecken ganze elf aktive Treiber im Gehäuse, jeder mit einem eigenen Class-D-Verstärker. Aufgeteilt sind sie in fünf nach vorne und zur Seite abstrahlende Lautsprecher (Center, Stereo und seitlicher Raumklang), dazu zwei nach oben gerichtete Treiber für die Höheninformationen des Dolby-Atmos-Signals sowie eine integrierte Subwoofer-Einheit. Vier Passivradiatoren unterstützen zusätzlich den Tieftonbereich.

Das Prinzip dahinter ist simpel: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel. Die nach oben und zur Seite feuernden Treiber spielen den Klang über Decke und Wände zu euch zurück, sodass theoretisch ein Klang von oben und von den Seiten entsteht. Damit das funktioniert, muss aber zwei Dinge stimmen. Erstens: Der Raum sollte möglichst symmetrisch sein. Zweitens: Neben der Soundbar darf nichts stehen, was die seitliche Abstrahlung blockiert. In einem schiefen, vollgestellten Wohnzimmer verschenkt ihr Potenzial – das solltet ihr im Hinterkopf behalten.
Und noch etwas ist wichtig: So ein Gerät lebt davon, dass auch wirklich ein Atmos- oder DTS:X-Signal ankommt. Für die Tagesschau oder eine nur in Stereo abgemischte Serie braucht ihr diese Soundbar nicht. Ihre Stärke spielt sie erst aus, wenn das Quellmaterial mitspielt.
Anschlüsse und Konnektivität: Hier wird geklotzt
Für 1.000 Euro darf man eine ordentliche Ausstattung erwarten, und die liefert Marshall ab. Wir haben die wichtigsten Anschlüsse für euch aufgelistet:
- 2× HDMI: Ein Eingang dient als Pass-Through (Bildsignal rein, am zweiten Anschluss wieder raus), der andere ist der HDMI-eARC/ARC-Port für den TV-Ton. Beide unterstützen 4K bis 120 Hz sowie Dolby Vision – ihr verliert also keine Bildqualität.
- RCA-Stereo-Eingang: Für analoge Zuspieler wie einen Plattenspieler (mit eigenem Preamp), CD-Player oder Kassettendeck.
- Sub-Out (Cinch): Praktisch, um einen beliebigen aktiven Subwoofer per Kabel anzuschließen – ihr seid also nicht auf Marshall festgelegt.
- USB-C: In erster Linie zur Stromversorgung kleinerer Geräte.
- Ethernet: Für eine stabile Netzwerkverbindung, wenn ihr nicht auf WLAN setzen wollt.

Bluetooth, WLAN und Streaming
Drahtlos ist die Heston 120 vorbildlich aufgestellt. Mit dabei sind Bluetooth 5.3 inklusive LE Audio und Auracast, Wi-Fi 6 und die volle Streaming-Palette: AirPlay 2, Google Cast, Spotify Connect und TIDAL Connect. Internetradio über airable ist ebenfalls integriert. Besonders cool für iPhone-Nutzer mit Apple-Music-Abo: Über AirPlay 2 lässt sich sogar Dolby-Atmos-Musik direkt auf die Soundbar streamen. Eine Fernbedienung liegt übrigens nicht bei – gesteuert wird per HDMI-CEC über die TV-Fernbedienung und ansonsten komplett über die Marshall App. Dort findet ihr auch die vier Klangmodi, den EQ und eine Raumkalibrierung. Das ist Geschmackssache: Wir finden eine zusätzliche Fernbedienung unglücklich gelöst, andere freuen sich über ein Gerät weniger auf dem Couchtisch.
Wie klingt die Marshall Heston 120 im Test?
Jetzt zum Entscheidenden – dem Klang. Und hier wird es individuell, denn die große Frage ist nicht nur, wie ihr hört, sondern was ihr hört.
Musik: Hier spielt Marshall seine Stärke aus
Wenig überraschend macht die Heston 120 genau das am besten, wofür Marshall seit Jahrzehnten steht: Musik. Das Klangbild ist breit, detailreich und angenehm warm, die Bässe sind tragend und füllen den Raum, ohne aufdringlich zu werden. Stimmen stehen klar und natürlich im Raum, Instrumente sind sauber getrennt. Gut produzierte Atmos-Musik von Apple Music klingt richtig stark, weil hier Hallräume und Effekte gezielt im Raum verteilt werden. Wer also viel Musik über die Soundbar hört, bekommt hier eine kleine Offenbarung.
Aber – und das ist ein wichtiger Punkt – auch bei Musik gilt: Müll rein, Müll raus. Viele Titel tragen zwar das Dolby-Atmos-Label, wurden aber lieblos abgemischt. Da landet dann fast alles auf dem Center-Lautsprecher, und ein paar Effekte fliegen links und rechts herum. Die Heston 120 schönt hier nichts und rechnet auch nichts künstlich hoch. Das kann man kritisieren, wir sehen es eher als ehrliches Feature: Ihr hört das Material so, wie es die Producer gemeint haben.
Film und Heimkino: Wo die Soundbar an Grenzen stößt
Bei Filmen liefert die Heston 120 einen sauberen, klaren Ton mit gut verständlichen Dialogen. Atmos-Effekte sind hörbar, man nimmt Geräusche tatsächlich auch hinter oder über sich wahr. Doch genau wie bei der Musik gilt: Ein älterer 5.1-Film oder ein lieblos abgemischter Atmos-Titel klingt eben nur so gut, wie er produziert wurde. Die Soundbar rettet hier erstaunlich wenig.
Und dann ist da noch das Thema Wucht. Die Heston 120 klingt wirklich gut, aber gerade bei bassgewaltigen Blockbustern mit Explosionen und Schießereien stößt sie an ihre Grenzen. Sie spielt nicht so brachial laut, wie es manch eine Konkurrentin tut. Für ein wirklich kinoreifes Erlebnis kommt man am Thema Subwoofer kaum vorbei.
Braucht ihr den Heston Sub 200?
Kurz gesagt: Wenn ihr richtig Spaß bei Filmen haben wollt – ja. Zwar deckt die Soundbar dank ihres Frequenzgangs bis 40 Hz schon allein einen guten Bassbereich ab, was viele Konkurrenten nicht schaffen. Für echtes Heimkino-Feeling braucht es aber mehr Druck im Tiefton.

Hier habt ihr zwei Möglichkeiten. Entweder ihr schließt per Cinch-Sub-Out einen beliebigen aktiven Subwoofer an – das funktioniert problemlos. Oder ihr greift zum passenden Heston Sub 200 von Marshall, der nochmal rund 500 Euro kostet. Der lässt sich komplett kabellos per Bluetooth LE Audio mit der Soundbar verbinden, hat aber auch einen Cinch-Eingang. Mit zwei 5,25-Zoll-Treibern, 236 Watt Spitzenleistung und einem Frequenzbereich von 30 bis 150 Hz reicht er deutlich tiefer als die Soundbar allein. Praktisch: Über die Marshall App lässt sich der Übergabepunkt zwischen Sub und Soundbar – der sogenannte Crossover – frei definieren. So tastet ihr euch genau an den Klang heran, der euch gefällt.
Ein kleiner Wermutstropfen aus unserem Test: Für das aufgerufene Geld ist uns der Sub einen Tick zu leise. Schön gemacht ist er aber allemal – mit Metallrückseite, Lederüberzug und einem zusätzlichen Drehrad zur Lautstärkeregelung, das sich mit der App synchronisiert. Und der große Pluspunkt: Ihr könnt ihn auch unabhängig von der Soundbar in anderen Setups einsetzen. Das ist bei vielen Herstellern nicht selbstverständlich.
Marshall Heston 120 vs. JBL Bar 1000 MK II
Um die Heston 120 besser einordnen zu können, haben wir sie direkt gegen die JBL Bar 1000 MK II gehört, die ebenfalls rund 1.000 Euro kostet – allerdings mit bereits enthaltenem Subwoofer. Das Ergebnis war aufschlussreich.

Die JBL wird fast doppelt so laut und füllt den Raum deutlich druckvoller, gerade was den Dolby-Atmos-Effekt betrifft. Bei Explosionen und Action ist sie dank des punchigeren Sounds klar im Vorteil. Die Marshall punktet dafür bei Musik und im Bassübergang: Wo bei der JBL im Grenzbereich zwischen Subwoofer und Soundbar hörbar Töne fehlen, schließt die Heston 120 das Spektrum harmonischer – auch weil sich der Crossover frei einstellen lässt, was bei JBL nicht geht. Marshall bleibt sich treu: tragende, warme Bässe statt stumpfem Punch.
Unterm Strich heißt das: Für reines Action-Kino ist die JBL die bessere Wahl, für Musik und ein ausgewogenes, warmes Klangbild die Marshall. Beachtet aber, dass der Raum eine riesige Rolle spielt – in einem kleineren Zimmer füllen beide Bars den Raum spürbar besser aus.
Preis und Verfügbarkeit
Die Marshall Heston 120 kostet 999 Euro UVP – und kommt damit standalone, also ohne Subwoofer und ohne Fernbedienung. Wer den passenden Heston Sub 200 dazunimmt, landet bei rund 1.500 Euro. Das ist kein Schnäppchen, aber für die gebotene Verarbeitung, die Ausstattung und die Reparierbarkeit durchaus nachvollziehbar.
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Fazit: Für wen lohnt sich die Marshall Heston 120?
Marshall ist mit der Heston 120 ein bemerkenswerter Erstling gelungen. Die Soundbar sieht großartig aus, ist hochwertig verarbeitet, vorbildlich reparierbar und bringt eine Anschluss- und Streaming-Vielfalt mit, die kaum Wünsche offenlässt. Ihr größtes Pfund ist der Klang bei Musik – warm, breit und erwachsen, hier merkt man die jahrzehntelange Audio-Erfahrung der Marke.
Wer in einem nicht zu großen Raum vor allem Musik hört und nebenbei Filme schaut, macht mit der Heston 120 wenig falsch. Wer es dagegen vor allem laut und bassgewaltig mag und auf Action-Kino steht, sollte den Subwoofer fest einplanen oder zu einer punchigeren Alternative greifen. Und ganz wichtig: Holt das Beste aus dem Gerät heraus, indem ihr für gutes Atmos- oder DTS:X-Quellmaterial sorgt und die Soundbar frei stehen lasst.
Was sagt ihr – ist die Marshall Heston 120 eure nächste Soundbar, oder bleibt ihr Team JBL? Schreibt es uns in die Kommentare!
