Wir haben uns das Audeze Maxwell genauer angeschaut – ein Gaming-Headset, das mit planar-magnetischen Treibern, irrer Akkulaufzeit und Hi-Fi-Anspruch eine eigene Liga beansprucht. In unserem ausführlichen Video-Test zeigen wir euch, was das Teil wirklich draufhat, wo es schwächelt und ob sich der Kauf auch jetzt noch lohnt, wo der Nachfolger Maxwell 2 bereits in den Startlöchern steht.
Warum kostet das Audeze Maxwell über 400 Euro – und ist es das wert?
Die kurze Antwort: Weil hier Technik verbaut ist, die man sonst in Studio-Kopfhörern findet. Der amerikanische Hi-Fi-Hersteller Audeze setzt im Maxwell auf riesige 90-mm-Planartreiber mit patentierten Fluxor-Magneten und Fazor-Wellenleitern. Das Ergebnis ist ein Frequenzgang von 10 Hz bis 50.000 Hz – weit jenseits dessen, was klassische Gaming-Headsets mit dynamischen Treibern leisten. In der Praxis bedeutet das: extrem tiefer, druckvoller Bass und gleichzeitig messerscharfe Höhen. Wir haben selten ein Gaming-Headset gehört, das akustisch auf diesem Niveau spielt.
Design und Tragekomfort: Stabil, aber kein Leichtgewicht
Das Maxwell setzt auf einen Mix aus Kunststoff-Ohrmuscheln und Metallbügeln – bei einem Headset in dieser Preisklasse erwarten wir nichts weniger. Der Kopfbügel mit Kunstledereinsatz verteilt das Gewicht ordentlich, und die Kunstleder-Ohrpolster sitzen angenehm weich auf den Ohren. Allerdings müsst ihr euch darauf einstellen, dass das Maxwell kein Fliegengewicht ist. Rund 490 Gramm bringt es auf die Waage, und das spürt man nach längeren Sessions durchaus. Wer allerdings mit dem Gewicht klarkommt, bekommt ein Headset, das sich hochwertig anfühlt und dessen tragende Teile aus Metall gefertigt sind.
Bedienung: Viele Möglichkeiten, eine Schwäche
An der linken Ohrmuschel findet ihr die gesamte Steuerung. Ein physischer Schieberegler mutet das Mikrofon – das funktioniert tadellos, und ihr wisst jederzeit, ob ihr gerade auf Sendung seid oder nicht. Ein weiterer Knopf schaltet das Headset ein und aus, übernimmt aber auch Play/Pause. Dazu kommen zwei Drehräder: eins für die Gesamtlautstärke und eins für das Mischverhältnis zwischen Game-Sound und Chat-Audio.
Genau bei diesem zweiten Rad liegt unsere Kritik. Es hat keinen definierten Endpunkt – ihr dreht also quasi ins Leere und merkt erst durch ein Piepen, dass ihr am Maximum angekommen seid. In der Praxis führt das gern mal dazu, dass man versehentlich am falschen Rad dreht und sich wundert, warum plötzlich der Gamesound weg oder der Chat stumm ist. Das Gute: Audeze hat dieses Problem beim Nachfolger Maxwell 2 offenbar überarbeitet.
Konnektivität: Hier bleibt kein Wunsch offen
Eines der stärksten Argumente für das Maxwell ist seine Vielseitigkeit bei den Verbindungswegen. Euch stehen gleich mehrere Optionen zur Verfügung:
- USB-C kabelgebunden – für digitale Audioübertragung direkt vom PC oder Mac
- 3,5-mm-Klinke – für analoge Geräte, Mischpulte oder wenn ihr einfach ein Kabel bevorzugt
- Bluetooth 5.3 – für Smartphone, Tablet oder andere Bluetooth-Geräte
- USB-C-Dongle – für latenzarme Wireless-Verbindung an Konsole und PC
Besonders stark: Ihr könnt Bluetooth und den Wireless-Dongle parallel nutzen. Sprich, ihr telefoniert per Bluetooth und hört gleichzeitig den Gamesound über den Dongle. Im Alltag ist das ein echtes Komfort-Feature, das wir nicht mehr missen möchten.
Die Xbox-Variante kommt zusätzlich mit einer inkludierten Dolby-Atmos-Lizenz. Sobald ihr das Headset per Dongle an die Konsole steckt, wird Dolby Atmos automatisch freigeschaltet – kein zusätzlicher Kauf nötig. In Spielen wie Cyberpunk sorgt das für eine räumliche Klangtiefe, die schlicht beeindruckend ist.
Der USB-C-Dongle und das Xbox-Problem
Der mitgelieferte Dongle nutzt USB-C, was an modernen Laptops und Macs praktisch ist. Allerdings hat die Xbox Series X|S bekanntlich nur USB-A-Anschlüsse. Audeze legt daher einen kurzen USB-C-auf-USB-A-Adapter bei – funktional, aber optisch nicht die eleganteste Lösung. Kein Dealbreaker, aber ein Detail, das man bei einem 400-Euro-Headset durchaus anmerken darf.
Akkulaufzeit: Bis zu 80 Stunden – kein Scherz
Über den Akku müssen wir hier wirklich mal ein Extralob aussprechen. Audeze gibt bis zu 80 Stunden Laufzeit bei mittlerer Lautstärke an, und das deckt sich mit unserer Erfahrung. Wir haben das Maxwell über Wochen hinweg intensiv genutzt – unter anderem stundenlang mit Anno 117: Pax Romana – und mussten es in dieser Zeit nicht ein einziges Mal laden. Zum Vergleich: Die Apple AirPods Max schaffen rund 20 Stunden und haben dazu nicht einmal einen richtigen Ausschalter. Das Maxwell spielt hier wirklich in einer anderen Liga.
Sound: Hi-Fi für Gamer
Und jetzt zum eigentlichen Highlight. Klanglich ist das Audeze Maxwell schlicht ein Brett. Die planaren Treiber liefern einen Sound, den wir so bei keinem anderen Gaming-Headset erlebt haben. Der Bass geht unglaublich tief und bleibt dabei sauber und definiert – da vibriert nicht einfach nur der Kopf, sondern ihr spürt regelrecht einzelne Frequenzen. Die Höhen lösen extrem fein auf, und die Mitten klingen natürlich und präsent.
Über die Audeze-App (erhältlich für PC, Mac, iOS und Android) lässt sich der Klang per Multiband-Equalizer fein justieren. Ihr könnt verschiedene Profile anlegen und zwischen ihnen wechseln – etwa ein bassbetontes Profil für Actiongames und ein neutraleres für Musik oder Film. Die neue App-Version, die mit dem Maxwell 2 eingeführt wurde, unterstützt übrigens auch das erste Maxwell und funktioniert deutlich besser als die alte Software.
Ganz ehrlich: Selbst die Apple AirPods Max kommen bei der Basstiefe und der räumlichen Auflösung nicht an das Maxwell heran. Wer einmal mit diesem Headset gezockt oder Musik gehört hat, der wird bei der Rückkehr zu normalen Gaming-Headsets eine echte Enttäuschung erleben.
Mikrofon: Solide, aber nicht überragend
Kommen wir zum Mikrofon – und damit zum Punkt, an dem das Maxwell die größte Angriffsfläche bietet. Das abnehmbare Boom-Mikrofon mit Popschutz liefert eine Qualität, die für Teamchat, Discord-Runden und Videokonferenzen absolut ausreichend ist. Ohne Popschutz klingt es allerdings hörbar schlechter, den solltet ihr also immer dranlassen.
Für Streaming oder Let’s Plays reicht die Mikrofonqualität aber nicht. Das ist bei Gaming-Headsets leider ein branchenweites Problem und kein exklusiver Schwachpunkt des Maxwell. Praktisch ist immerhin, dass im Headset selbst zusätzliche Mikrofone verbaut sind. Ihr könnt das Boom-Mic also abnehmen und trotzdem noch telefonieren – wenn auch nicht in Studioqualität.
Die eingebaute Noise Suppression verdient eine lobende Erwähnung. In zwei Stufen filtert sie Hintergrundgeräusche recht effektiv heraus. Wer in einer lauten Umgebung spielt oder arbeitet, profitiert hier spürbar.
Kein ANC, aber starke Passiv-Isolierung
Active Noise Cancelling hat das Maxwell nicht an Bord. Wer das braucht, muss zum Nachfolger Maxwell 2 greifen – dort wird eine ANC-Variante nachgereicht. Allerdings dichtet die geschlossene Bauform mit den über die Ohren gehenden Polstern Außengeräusche bereits ziemlich gut ab. Für die meisten Gaming-Situationen reicht das locker aus.
Was fehlt im Lieferumfang?
Audeze legt alle nötigen Kabel bei – USB-C, Klinke, Adapter. Was uns allerdings wirklich fehlt, ist eine Transporttasche. Bei einem Headset für über 400 Euro erwarten wir schlicht, dass ein passender Schutz mitgeliefert wird. Auch die Kabelqualität könnte hochwertiger sein: Das Klinkenkabel hat vergoldete Stecker, ist aber nicht stoffummantelt. Hier hätte Audeze etwas mehr Liebe zum Detail zeigen können.
Ausblick: Lohnt sich das Maxwell trotz Maxwell 2?
Der Nachfolger, das Audeze Maxwell 2, ist seit Anfang 2026 auf dem Markt. Es bringt die neue SLAM-Technologie für noch besseren Raumklang, ein überarbeitetes Kopfband-Design und eine modernisierte App mit. Die Preise liegen bei 329 USD für die PlayStation-Version und 349 USD für die Xbox-Variante.
Für das Original Maxwell spricht aktuell eine deutlich attraktivere Preisleistung. In Deutschland ist es bereits ab rund 298 Euro zu finden, teilweise sogar darunter. Wer den absoluten Spitzensound im Gaming sucht und dabei ein paar Euro sparen möchte, macht mit dem Maxwell der ersten Generation nach wie vor keinen Fehler. Die neue App unterstützt beide Generationen, und klanglich bewegt sich auch das Original auf einem Niveau, das die meisten Konkurrenten alt aussehen lässt.
Unser Fazit zum Audeze Maxwell
Das Audeze Maxwell ist und bleibt eines der klanglich besten Gaming-Headsets, die wir je auf dem Kopf hatten. Der Sound ist auf Hi-Fi-Niveau, die Akkulaufzeit der absolute Wahnsinn, und die Vielseitigkeit bei den Anschlussmöglichkeiten sucht ihresgleichen. Schwächen zeigt es bei der Mikrofonqualität (branchenübliches Problem), dem fehlenden ANC und dem Lieferumfang, der einer Transporttasche bedarf. Wer bereit ist, für Gaming-Audio richtig Geld in die Hand zu nehmen, bekommt hier aber ein Headset, das seinesgleichen sucht.
Schaut euch gerne unser ausführliches Video zum Audeze Maxwell an, in dem wir euch alle Details nochmal live demonstrieren – inklusive Soundvergleich und Mikrofon-Test.
Habt ihr das Audeze Maxwell schon ausprobiert oder liebäugelt ihr damit? Schreibt uns eure Erfahrungen und Fragen gerne in die Kommentare!
