Die IFA 2026 in Berlin läuft auf Hochtouren, und SwitchBot hat pünktlich zum Messestart nachgelegt. Das neue SwitchBot Lock Ultra Max ist ein Aufsatzschloss für die Haustür, das den vorhandenen Schließzylinder unangetastet lässt – und trotzdem deutlich schneller arbeiten soll als das bisherige Lock Ultra. Zu haben ist es zunächst nur im Bundle, unter dem etwas sperrigen Namen SwitchBot Lock Ultra Max Vision Pro Combo. Wir zeigen euch, was drinsteckt, wo SwitchBot nachgeschärft hat und an welchen Stellen die Ankündigung noch Lücken lässt.
Was ist neu am SwitchBot Lock Ultra Max?
Das SwitchBot Lock Ultra Max ist ein nachrüstbares Smart Lock, das von innen auf einen bestehenden Schließzylinder gesetzt wird – Zylinder tauschen oder Türblatt bohren ist also nicht nötig. Neu gegenüber dem Lock Ultra ist vor allem der Antrieb: Ein bürstenloser UltraDrive-Motor dreht mit 160 U/min und damit laut Hersteller 3,2-mal so schnell wie beim Vorgänger. Im Max Mode soll die Tür in 1,1 Sekunden entriegelt sein, bei einer Drehkraft von über 9 Kilogramm. Dazu kommen ein Gehäuse aus Aluminiumlegierung, eine dreistufige Stromversorgung und im Bundle biometrischer Zutritt per Gesicht, Handvene, Fingerabdruck, PIN oder NFC. Die Combo kostet 339,99 Euro und ist seit dem 3. September 2026 vorbestellbar.

Max Mode oder Quiet Mode: schnell oder unauffällig
Die 1,1 Sekunden sind der Wert, mit dem SwitchBot in die Messe geht – aber sie haben einen Preis. Wer Motoren kennt, ahnt es schon: Mehr Drehzahl heißt mehr Geräusch. Genau deshalb gibt es zwei Betriebsarten. Der Max Mode zieht durch, der Quiet Mode arbeitet langsamer und dafür diskreter. Für WGs, Mehrfamilienhäuser oder die späte Heimkehr um zwei Uhr nachts ist das die relevantere Option, auch wenn sie in keiner Pressemitteilung fett gedruckt wird.
Ein hochpräziser magnetischer Encoder soll die Schlossbewegung exakt erfassen. In der Praxis ist das genau die Stelle, an der Aufsatzschlösser gerne schwächeln: Wenn der Motor nicht weiß, wo der Riegel gerade steht, wird aus „abgeschlossen“ schnell ein „vielleicht abgeschlossen“. Ob SwitchBot das im Alltag sauber hinbekommt, muss ein Test zeigen.
Optisch hat sich ebenfalls etwas getan. Statt Kunststoff gibt es jetzt eine Aluminiumlegierung mit gebürsteten, galvanisierten Edelstahldetails und ein sogenanntes Fluted Light Design – feine Rillen, die Licht und Schatten brechen. Zusammen mit dem passgenauen Basisring soll das Schloss weniger wie ein aufgeklebtes Zusatzgerät wirken. Ein Punkt, den viele von euch bei Nachrüstlösungen zu Recht kritisch sehen.
Bis zu 19 Wege durch die Haustür
Die eigentliche Show übernimmt das Keypad Vision Pro auf der Außenseite. Es ist kein neues Produkt – SwitchBot verkauft es schon länger einzeln –, hier aber Teil des Pakets. Es kombiniert 3D-Gesichtserkennung, kontaktlose Handvenenerkennung, Fingerabdruck, Passcode und NFC-Karte.
Für die Gesichtserkennung projiziert das Keypad über 30.000 Infrarotpunkte auf euer Gesicht und baut daraus eine millimetergenaue 3D-Karte. Unter Laborbedingungen dauert das weniger als eine Sekunde. Weil das System mit Tiefeninformationen arbeitet, sollen Fotos oder abgefilmte Videos nicht funktionieren. Die integrierte Infrarotbeleuchtung sorgt dafür, dass es auch abends noch klappt.
Das SwitchBot Lock Ultra mit dem Keypad Vision Pro haben wir bereits getestet.
Handvenen statt Fingerabdruck
Die spannendere Methode ist die Handvenenerkennung. Ein Nahinfrarotsensor liest das Venenmuster in eurer Handfläche – kontaktlos und unabhängig davon, ob die Finger nass, dreckig oder von der Arbeit abgenutzt sind. Genau da scheitern klassische Fingerabdrucksensoren nämlich regelmäßig. Auch für Kinder, die nicht in Kamerahöhe stehen, ist die Handfläche die praktischere Variante.
Zusammen mit App, Fernsteuerung, Sprachassistent, Smartwatch, Widgets, Home Sharing, Auto-Unlock per Geofencing, SwitchBot Remote und dem klassischen Schlüssel kommt SwitchBot auf bis zu 19 Entriegelungsmethoden. Klingt beeindruckend – ehrlicherweise nutzt aber kaum ein Haushalt mehr als drei davon regelmäßig. Und bei Vorgängermodellen war gerade das Auto-Unlock per Geofencing in Tests eine der unzuverlässigsten Funktionen.

Triple-Power-System: drei Ebenen gegen den leeren Akku
Ein Türschloss, dessen Akku leer ist, ist kein Türschloss mehr, sondern ein Problem. SwitchBot staffelt die Stromversorgung deshalb dreifach:
- Hauptakku: 4.200 mAh, bis zu neun Monate Laufzeit bei typischer Nutzung
- Backup-Batterie: unabhängige CR123A-Zelle, rund 500 Ver- oder Entriegelungen
- Micro-Power Unlock: sammelt etwa 30 Sekunden Restenergie und ermöglicht bis zu fünf Notentriegelungen
Das Keypad Vision Pro hat einen eigenen 5.000-mAh-Akku, der bis zu zwölf Monate halten soll. Eine Annäherungserkennung weckt die Biometrie erst, wenn tatsächlich jemand vor der Tür steht. Die App zeigt beide Ladezustände und meldet sich, bevor es kritisch wird. Das Schloss selbst gibt zusätzlich Sprachhinweise direkt am Gerät aus – inklusive Warnungen bei offen gebliebener Tür und 13 Kategorien von Wetterwarnungen. Letzteres ist ein Feature, bei dem wir noch nicht ganz überzeugt sind, dass es an einem Türschloss hingehört.
Datenschutz: Biometrie bleibt lokal
Beim Thema Daten macht SwitchBot einen Punkt, der uns wichtig ist: Gesichts-, Handvenen- und Fingerabdruckdaten werden lokal auf dem Gerät verarbeitet und gespeichert, nicht über Smart-Home-Plattformen von Drittanbietern verfügbar gemacht. Die Zugangskommunikation ist per AES-128 verschlüsselt. Für ein Gerät, das eure Haustür bewacht, ist das die Mindestanforderung – und trotzdem lange keine Selbstverständlichkeit.
Matter nur über die Bridge
Der mitgelieferte Hub Mini Matter Enabled übernimmt zwei Aufgaben: Fernsteuerung über die SwitchBot-App und Anbindung an Apple Home oder Home Assistant per Matter over Bridge. Wichtig zu verstehen: Das Schloss selbst ist kein natives Matter-Gerät. Ohne Hub keine Ökosystem-Integration. Wer schon einen kompatiblen SwitchBot-Hub im Haus hat, zahlt hier also für Hardware, die er eigentlich nicht mehr braucht.
Montiert wird das Schloss innen, der Zylinder bleibt drin. Das Keypad lässt sich außen kleben oder verschrauben – für Mietwohnungen ist die Klebevariante die entscheidende Info. SwitchBot nennt eine Kompatibilität mit 99 % der europäischen Schlösser: EU-Profilzylinder, Knaufzylinder, Schweizer Rundzylinder und britische Ovalzylinder. Für Sonderfälle gibt es Adapter, die separat dazukommen.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | SwitchBot Lock Ultra Max Vision Pro Combo |
|---|---|
| Motor | Bürstenloser UltraDrive-Motor, 160 U/min |
| Entriegelungszeit | 1,1 Sekunden (Max Mode) |
| Drehkraft | über 9 kg |
| Betriebsmodi | Max Mode, Quiet Mode |
| Hauptakku Schloss | 4.200 mAh, bis zu 9 Monate |
| Backup | CR123A-Batterie (ca. 500 Vorgänge) + Micro-Power Unlock (5 Notentriegelungen) |
| Akku Keypad | 5.000 mAh, bis zu 12 Monate |
| Biometrie | 3D-Gesichtserkennung (30.000+ IR-Punkte), Handvenenerkennung, Fingerabdruck |
| Weitere Methoden | Passcode, NFC-Karte, App, Sprache, Smartwatch, Geofencing, Schlüssel, Remote |
| Verschlüsselung | AES-128, biometrische Daten lokal gespeichert |
| Smart Home | Matter over Bridge via Hub Mini (Apple Home, Home Assistant) |
| Zylinder | EU-Profil, Knauf, Schweizer Rund, britisch Oval (Adapter separat) |
| Gehäuse | Aluminiumlegierung mit Edelstahldetails |
| Lieferumfang | Lock Ultra Max, Keypad Vision Pro, Hub Mini Matter Enabled |
Preis und Verfügbarkeit
Die SwitchBot Lock Ultra Max Vision Pro Combo ist seit dem 3. September 2026 vorbestellbar und kostet 339,99 Euro (UVP). Zum Vergleich: Das Vorgänger-Set mit dem regulären Lock Ultra lag zum Start bei rund 300 Euro, das Keypad Vision Pro allein kostet einzeln etwa 170 Euro.
Wer im Einführungszeitraum kauft, bekommt den Max Service für das Lock Ultra Max ohne Aufpreis dazu – ein zusätzliches Garantiejahr plus schnellere Abwicklung bei Rückgabe und Austausch. Regulär kostet das 24,90 Euro. Ein wichtiges Detail dabei: Das Angebot gilt laut SwitchBot nur vom 3. bis 30. September 2026 und ausschließlich über die offiziellen EU- und UK-Shops. Wer bei Amazon bestellt, geht bei der Garantieverlängerung also leer aus.
Ob das Lock Ultra Max später auch einzeln zu haben ist, hat SwitchBot bislang nicht kommuniziert.
Fazit: Schnellerer Motor, bekanntes Ökosystem
Das SwitchBot Lock Ultra Max ist kein Neuanfang, sondern ein gezieltes Upgrade an der Stelle, die bei Nachrüstschlössern am meisten nervt: der Geschwindigkeit. 1,1 Sekunden im Max Mode sind ein starker Wert, und das Triple-Power-System nimmt die größte Sorge bei akkubetriebenen Schlössern ernst. Dass biometrische Daten lokal bleiben, rechnen wir SwitchBot hoch an.
Zwei Punkte bleiben aber offen. Erstens ist Matter weiterhin nur über die Bridge zu haben – ein natives Matter-Schloss wäre der eigentliche Fortschritt gewesen. Zweitens sind 339,99 Euro kein Impulskauf, zumal ein Teil des Pakets aus bereits bekannter Hardware besteht. Wie sich der neue Motor und die Handvenenerkennung im Dauerbetrieb an einer echten deutschen Haustür schlagen, klären wir, sobald wir ein Testgerät hier haben.
Wie sieht’s bei euch aus: Kommt euch ein biometrisches Nachrüstschloss an die Haustür, oder bleibt es beim Schlüssel? Schreibt es uns in die Kommentare.
